Programm

MORO LASSO

Leben, sterben und irgendwo dazwischen.

In diesem Jahr wollen wir zusammen mit dem Publikum neue Erfahrungen entstehen lassen.

 

Sterben und Leben bilden die beiden Kontrapunkte dieses besonderen Konzerts. Es spiegeln sich das Gestern, Morgen sowie das Heute in der Auswahl der Werke und die in Titeln, Texten und Musik transportierten Stimmungen wieder. Die Bewusstmachung des Lebens bildet dabei die Grundlage der Poesie auf die sich die Vision der Neuen Kammer stützt und mit der sie den besonderen Herausforderungen unserer Zeit trotzen will. Die Neue Kammer möchte durch die Aufführung und Gegenüberstellung von alter Musik und zeitgenössischer Musik Lebendigkeit erzeugen, die sich auf das Publikum überträgt.
Sie stellt die Frage nach der wahren Vergänglichkeit in den Raum.
Wenn etwas vergeht, ist es dann verschwunden oder können wir es in anderer Form erfahren?
Das Ensemble begibt sich gemeinsam mit dem Publikum auf eine gedankliche Reise. Im Mittelpunkt steht die Frage, wo wir gerne verweilen und eine innere Wiederholung finden wollen.

Moro Lasso

Ich sterbe, ausgezehrt, an meiner Pein,

und, die mir Leben geben könnte,

ach, sie bringt mich um und will mir keine Hilf‘ gewähren!

O trauriges Geschick:

Die mir Leben geben könnte,

gibt mir, ach, den Tod!

Madrigali a Dio 1

Gott, ändere mich! Ändere meine Sucht, sterben zu wollen… Aber Du schweigst über den Wunden des verlorenen Schäfleins, über dem Sterbenden, der schön ist von nackter Sehnsucht.

 

Und nunmehr sind nicht einmal mehr vermessen meine, des schüchternen Rebellen, Schmähungen: dort wo du schweigst, schweigt mein nicht mehr entrüstetes Herz, ohnmächtiger Zuschauer, mitwissender Hüter: nur dass die Feigheit keine Mäßigung kennt.

Madrigali a Dio 2

Meine Nachlässigkeit ist zu fröhlich und meine abstumpfte Freiheit Im Verachten wird zum Missbrauch, stockendes Leben meiner Träume. Idiotengott, gebiete mir meine Unaufrichtigkeit und, so ich, ehrlich, Dich in jeder meiner Taten schmähe, beschäme mich! (Du lässt Dich schmähen… Bist die Schmähung! Und kannst mich nicht strafen noch am Ende schrecken: Der nicht zu Dir betet, ist nicht reif.)

Shir Hama’alot

1 Ein Wallfahrtslied. Wohl dem, der den Herrn fürchtet und auf seinen Wegen geht! 2 Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit; wohl dir, du hast’s gut. 3 Deine Frau wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her. 4 Siehe, so wird gesegnet der Mann, der den Herrn fürchtet. 5 Der Herr wird dich segnen aus Zion, dass du siehst das glück Jerusalems dein Leben lang 6 und siehst Kinder deiner Kinder. Frieden über Israel!

Psalm 128: 1-6 (Lutherbibel)

Eternal Summer - Sonnet 18

Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen?

Nein, Du bist lieblicher und frischer weit –

Durch Maienblüthen rauhe Winde streichen

Und kurz nur währt des Sommers Herrlichkeit.

Zu feurig oft lässt er sein Auge glühen,

Oft auch verhüllt sich seine goldne Spur,

Und seiner Schönheit Fülle muß verblühen

Im nimmerruh’nden Wechsel der Natur.

Nie aber soll Dein ewiger Sommer schwinden,

Die Zeit wird deiner Schönheit nicht verderblich,

Nie soll des neidischen Todes Blick dich finden,

Denn fort lebst Du in meinem Lied unsterblich.

So lange Menschen athmen, Augen sehn,

Wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.

Sonnet XVIII W. Shakespeare – Übersetzung: Friedrich Bodenstedt (1866)

Vielen Dank an die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen für die Förderung unseres Programms. 

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